Informationen zum Onlinekurs

Das Dokumentarische im Digitalen

Bereits die Frage ‘Was ist dokumentarisch?’ ist alles andere als einfach zu beantworten – und kommt die Frage nach ‘dem Digitalen’ hinzu, wird es noch komplexer. In den letzten Jahren sind im Zuge von Medienwandel und Digitalisierung neue, v.a. partizipative, vernetzt-vernetzende, dokumentarische audiovisuelle Praktiken entstanden, die aufgrund der Möglichkeit zu aktiver Teilhabe an Diskursen ein großes (inter-)kulturelles Potential bergen, von großer gesellschaftspolitischer Relevanz sind – aber auch für verschiedenste Wissenschaften neue Optionen der bieten.

Dieser Onlinekurs widmet sich neuen Phänomenen und aktuellen Tendenzen, kontextualisiert diese und diskutiert Positionen – insbesondere hinsichtlich des Partizipations- und Interaktionsversprechens des ‘Dokumentarischen im Digitalen’ und des Umgangs mit komplexen Wissenswelten. Diskurse der Dokumentarfilmtheorie, der New Media Studies und verschiedener – manchmal offensichtlicher, manchmal auch erst auf den zweiten Blick in diesem Kontext relevanten – Disziplinen werden in Dialog miteinander gebracht. Dabei spielt die mediale Performanz interaktiver dokumentarischer Praktiken eine zentrale Rolle.

Ziel des Kurses ist

  • Basiswissen zu den wichtigsten wissenschaftlichen Theorien zum Dokumentarischen und zu digitalen Medienkulturen zu vermitteln
  • Zentrale Methoden und Vorgehensweisen der Forschung im Bereich des ‘Dokumentarischen im Digitalen’ vorzustellen
  • ästhetische Darstellungskonzepte non-fiktionalen interaktiven Erzählens und deren Möglichkeit für Interaktion, Partizipation zu diskutieren
  • Einblicke in die aktuell entstehenden komplexen Wissensökologien im Digitalen zu geben
  • mediale Praktiken und Arbeitsweisen von Medienschaffenden und in verschiedenen (scientific) communities vorzustellen

Der Onlinekurs kann in der Präsenzlehre in blended learning Verfahren eingesetzt werden, d.h. als Begleitung und Erweiterung von Vorlesungen und in Seminaren, es ist aber auch ein Selbststudium mit Hilfe des Kurses möglich. Als Ergänzung der Lehre bietet er eine Grundstruktur und entlastet durch anschauliche Vermittlung von Faktenwissen die Präsenzveranstaltung. Dadurch – sowie durch Impulsfragen und Reflexionsaufgaben – kann Raum für eine tiefergehende Diskussion von Inhalten geschaffen werden.

Besonderer Wert wird dabei auf audiovisuelle Evidenz gelegt, d.h. auf einen einfachen, anschaulichen Zugang zum thematisierten Material. Allzu oft zeichnet dokumentarische Praktiken im Digitalen aus, dass sie äußerst ephemer sind. Daher dient dieser Kurs zudem als dynamische Momentaufnahme des sich gerade ausdifferenzierenden Spektrums. Material, das u.U. nur schwer auffindbar ist oder das Studierenden unbekannt ist, wird kontextuell und ‘nur einen Klick’ entfernt eingebunden. Interaktivität und Interaktion, die aktive Beteiligung der Studierenden in dem per se interaktiven Online-Medium, werden gefördert. Es findet ein learning by doing statt.

Aufbau

Nach einer Einführung in zentrale Fragestellungen mit Blick auf das ‘Dokumentarische im Digitalen’ nähert sich der Kurs der Thematik zunächst in drei theoretischen Großblöcken an, die den drei Prismen der Betrachtung des entsprechen, die wir hier vorschlagen: das des Dokumentarischen, das der New Media Studies und das der medialen Performanz.

Nach einem kurzen Aufriss, was ‘das Dokumentarische’ ausmacht und was speziell ‘dokumentarischer Film’ ist, folgt eine ‘kurze Geschichte’ des Dokumentarischen von seinen Anfängen bis heute.

Der zweite Block befasst sich mit Konzepten und Theorien digitaler Medienkulturen, bevor wir uns speziell verschiedenen Dimensionen des Interaktiven und Performativen zuwenden – von pluri-linearem bzw. non-linearem Erzählen über verschiedene Dimensionen der Partizipation bis hin zum Dokumentarischen als Intervention. Dabei werden auch verschiedene Hybridisierungstendenzen und dokumentarische Praktiken am ‘Rande des Spektrums des Dokumentarischen’ berücksichtigt – u.a. die Überschneidung aktuell emergierender Praktiken des Dokumentarischen mit digital journalism und die Erweiterungen des dokumentarischen Nexus im Zuge von gamification.

Die folgenden Einheiten weiten den Blick noch einmal mehr: In diesen Lektionen geht es zunächst um virtual reality documentaries bzw. VR non-fiction – also mediale Formen des Dokumentarischen, die die Zweidimensionalität der screen based documentaries verlassen, sowie um ‘paradokumentarische Praktiken’ – insbesondere informelle dokumentarische Praktiken, immersive witnessing aber auch interaktiv-dokumentarische Praktiken im öffentlichen oder musealen Raum.

Den Abschluss stellt eine Lektion dar, die sich mit bestimmten Themen und Tropen befasst, die in interactive documentaries bzw. digital non-fiction immer wieder auftreten. Dabei wird nochmals zusammengefasst, welchen Stellenwert ‘das Dokumentarische im Digitalen’ in verschiedenen Bereichen unseres Lebens hat, welche sozio-kulturelle Relevanz dokumentarische Praktiken im Sinne medialer Teilhabe haben, welchen Beitrag sie zur interaktiven und partizipativen Vermittlung und Verhandlung komplexer Sachverhalte theoretisch leisten können, und wie dies in der Praxis bisher realisiert wird.

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