Ausgangssituation, Problembeschreibung und Beschreibung des Forschungsgegenstandes

Dokumentarische audiovisuelle Formate und Praktiken haben sich in ihrer medienkulturellen Identität immer wieder gewandelt. Momentan entsteht im Zuge von Digitalisierungstendenzen und Medienkonvergenzen eine Vielzahl dokumentarischer Praktiken, die zahlreiche neue Formate und Anwendungsoptionen mit sich bringen. Eine zentrale Rolle spielen hierbei transmediale Film-/web- aber auch virtual/augmented Reality Projekte, multi- und hypermediale sowie vor allem partizipative und kollaborative Projekte. Sie alle vereint, dass sie das Potential des Digitalen für dokumentarische Vorhaben zu nutzen versuchen. Dabei basieren sie häufig auf interaktiven Praktiken und stehen unbestreitbar in weiten Teilen in der Tradition des Dokumentarfilms, schreiben sich aber zugleich nicht mehr einzig und allein in dessen formale und gestalterische wie inhaltliche Logiken ein. Vielmehr weitetet sich der dokumentarische Gestus mit seinem Bestreben, Wirklichkeit interaktiv und partizipativ und nicht selten multisensorisch erfahrbar zu machen. Dabei manifestiert sich das Dokumentarische im Digitalen in Form eines weiten Spektrums von Phänomenen.

Noch werden emergierende Formen und Praktiken eklektisch als interactive documentaries (kurz i-docs), expanded documentaries, database documentaries, web-documentaries oder immersive documentaries usw. bezeichnet. Sie sind zudem geprägt von Hybridisierungstendenzen, was ihre theoretisch-methodologische Erschließung mithin erschwert und ein transdisziplinäres Vorgehen erfordert, um Phänomene in ihrer Komplexität fassen zu können.
Generell zeugen die terminologischen Unschärfen zum einen von einer expandierenden Diversität an medialen Manifestationen; zum anderen spiegelt sie die Tatsache wider, dass es an Paradigmen fehlt, um das Feld systematisch zu erschließen, was auch immer wieder in der Forschungsliteratur
beschrieben wird. Hinzu kommt, dass sich viele Phänomene noch in einem experimentellen Stadium befindlichen. Die stellt zwar Film- wie Medienwissenschaft vor methodologisch-theoretische
Herausforderung, birgt aber das Potential, etablierte Forschungsansätze und methodische Herangehensweisen neu zu überdenken und zu erweitern, was nicht zuletzt auch eines der Ziele dieses Forschungsprojektes ist.


Annäherung an das Forschungsfeld und erste Typologisierung als Grundlage der Problemerfassung
Auf der Basis der Ergebnisse eigener Vorarbeiten kann zumindest eine erste grobe Typologisierung dokumentarischer Praktiken im Digitalen vorgeschlagen werden, die als Grundlage für die
Problembeschreibung sowie später als Basis der weiteren Exploration aktueller Phänomene
dient.

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